aerokurier 02/2010
SkyRanger SW: Das Flugzeug fürs Volk
Ein „Volksflugzeug“ zu entwickeln, haben sich schon mehrere Hersteller auf die Fahnen geschrieben. Beim SkyRanger SW ist zumindest der Preis volkstümlich.
Der Rohr-Tuch-Schulterdecker ist ein Mix aus dem klassischen SkyRanger und der ultraleichten Nynja, beides Modelle des französischen Herstellers BestOff. Das UL kombiniert den bespannten Rumpf des SkyRangers mit dem Flügel der Nynja, der 8,80 Meter Spannweite misst und über Wingtips verfügt. Unter der Cowling arbeiten verschiedene Zwei- und Viertaktmotoren aus dem Hause Sauer mit 65 bis 100 PS. Ab 38000 Euro ist das neue Flugzeug zu haben, das demnächst die Musterzulassung vom DAeC erhalten soll.
Hinter der neu gegründeten Volksflugzeug GmbH
stehen Liliana und Martin Manthey, deren Unternehmen Flugmotorenbau
Sauer in der Branche bekannt ist.
Fliegermagazin 02/2010

Eine neue Nase für das Volksflugzeug
Hochschule RheinMain – In der Ultraleichtflug-AG haben Studenten und Dozenten einen Bausatz modifiziert
Schuljungen könnten keine leuchtenderen Augen haben als die Studenten,
Dozenten und auch der gestandene Professor in der Werkshalle der
Hochschule RheinMain, wo die Ultraleichtflug AG (ULF AG) ihr Domizil
hat. Dort stand ein Jahr konstruktive, kreative und vor allem kollektive
Arbeit ganz im Zeichen des Traums vom Fliegen.
Das Ergebnis
stand gestern nahezu fix und fertig in der Halle und breitete perlweiße
Tragflächen aus, ein schicker Hochdecker mit Kabine, Propeller,
dreirädrigem Fahrgestell und 8,5 Meter Spannweite. Ein Jahr lang war
das Flugzeug Spielwiese und Erprobungsstück für zahlreiche Studien- und
Masterarbeiten, kitzelten junge Leute aus einem an sich schon pfiffigen
Bausatz kreative Mehrwerte heraus.
Entsprechend zufrieden ist man
auch beim Hersteller des Bausatzes, der Firma Volksflugzeug GmbH aus
Ober-Olm, die seit 2010 die alte Ferdinand Porsche-Idee vom Volkswagen
nun für den Himmel über der Republik umsetzt und den Bausatz eines
Ultraleichtflugzeugs im Echtflugzeuglook anbietet.
Rund 40 000 Euro
bei einem Basispreis von 12 000 Euro für den Bausatz ohne Motor,
Propeller und Avionik (die Elektronik und Elektrik an Bord) wird der
Volkspilot dafür berappen müssen. Die ursprünglich in Frankreich
entwickelte Konstruktion zu optimieren und für den deutschen Markt
anzupassen, war nun mit die Aufgabe der Ingenieure und Studenten an der
Hochschule RheinMain.
Den Kontakt zu den Ober-Olmer Flugzeugbauern
hatte Diplom-Ingenieur Uwe Bernhardt, technischer Leiter der von
Professor Peter Fröhlich vor zehn Jahren gegründeten ULF-AG, geknüpft.
Zustandegekommen auf dem Flugplatz bei Langenlonsheim, wo der seit
Kindesbeinen vom Fliegen und Flugzeugen faszinierte aktive Flieger den
ebenfalls Flugbegeisterten Martin Manthey, Betriebsleiter der
Volksflugzeug GmbH, kennen lernte.
Und so traf im Januar 2011 ein
Bausatz aus Ober-Olm in der Halle am Brückweg ein, geknüpft an
Aufgabenstellungen, Ziele und Wünsche des Herstellers, dem Flieger etwa
einen stärkeren Boxer-Motor zu verpassen, von 80 auf 100 PS hochzurüsten
oder die Bespannung der Rahmenkonstruktion stabiler zu machen. Alles
unter Wahrung der Gewichtsobergrenze von 472,5 Kilogramm, schwerer
dürfen Ultraleichtflugzeuge nicht sein.
Mustafa Celik etwa stellte
sich der Aufgabe, für den größeren Motor eine neue Motorhaube zu
gestalten, eine Anforderung an den Designer, was der Master-Student in
„Product Development and Manufacturing“ bei Opel gewesen ist, bevor er
ein Studium anhängte. Die ehemaligen Kollegen unterstützten ihn beim
Haubendesign, digitalisierten zunächst die alte Haube mit einem
hochmodernen 3-D-Scanner, die Celik am Computer neu gestaltete, und auch
der Formenbau war Opelsache. Und schon hatte der Vogel eine neue,
geschmackvoll gestaltete Nase.
Die Grundlage für alle Modifikationen
am Flieger leisteten die Maschinenbaustudenten Mario Philip und
Alexander Roistacher, die das Basisflugzeug vermaßen, um es als
CAD-Modell im Computer abzubilden. Bernhardt selbst etwa optimierte für
die Kabine die Verbindung zwischen der Rahmenkonstruktion und den
Scheiben.
Beim Aufbau des Bausatzes halfen und lernten fürs spätere
Berufsleben die Maschinenbaustudenten Andreas Meyer, Manuel Weber und
Stephan Bamberg.
Trotz Heizung in der Kabine ist der Jungfernflug
für März/April geplant, dann werden Pilot Bernhardt und die vielen
jungen Väter des Flugzeugs in Langenlonsheim feiern, und natürlich
darf jeder mitfliegen. Eine übrigens recht sichere Sache, denn jedes
Ultraleichtflugzeug muss mit einem Raketensicherungssystem
ausgestattet sein. Auch das Rüsselsheimer Poly-Konstrukt hat hinten in
der Kabine einen Sack mit 100 Quadratmeter Fallschirm, der bei
Absturzgefahr gezündet wird und Flugzeug und Insassen glimpflich zu
Boden gleiten lässt.
Ein neues Ziel für die ULF-AG hat Bernhardt
auch schon im Auge, ein Ultraleichtflugzeug von der skelettartigen
Rahmenkonstruktion aufwärts komplett an der Hochschule zu bauen. Hierfür
werden noch Sponsoren gesucht. „Werbeflächen gäbe es auf Tragfläche
oder Rumpf ja genug“, schmunzelt Bernhardt.
Flugzeuge zu bauen sei
für angehende Maschinenbauer einfach ideal, sagt Bernhardt: „Da steckt
alles drin: Aerodynamik, Motoren, Antriebstechnik und Struktur“.
Gekoppelt ans Faszinosum Fliegen.